Auf steigende Zinsen vorbereitet sein

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Wann die Zinsen steigen, können Experten nur mutmaßen. Leichter ist es für sie, die Folgen
einzuschätzen. Während Sparer und Anleger mit flexiblen Laufzeiten von einem Plus profitieren
können, gilt für Kreditnehmer: Sie sollten sich schon einmal für diesen Fall wappnen.
Sparer, Anleger und Kreditnehmer – alle blicken auf die Europäische Zentralbank (EZB): Wird sie in
nächster Zeit die Leitzinsen erhöhen oder nicht? „Für 2017 ist eher nicht damit zu rechnen“, erwartet Max
Herbst von der FMH Finanzberatung in Frankfurt am Main. Ähnlich sieht es Tanja Beller vom
Bundesverband deutscher Banken in Berlin. Neben der Geldpolitik der EZB haben aber auch weitere
Faktoren wie die Entwicklung der Inflationsrate in der EU Einfluss auf den Geldmarkt. Deshalb sagt
Annabel Oelmann, Vorstand der Verbraucherzentrale Bremen: „Ob, wie viel und wann die Zinsen steigen,
kann letztendlich niemand vorhersagen.“
Einen kleinen Hoffnungsschimmer gibt es schon jetzt für Sparer. „Experten rechnen damit, dass das
Zinsniveau für Spareinlagen mit mehrjährigen Laufzeiten im Jahresverlauf tendenziell etwas steigen
wird“, sagt Beller. Spareinlagen für kürzere Laufzeiten, etwa Tages- oder Monatsgeld, richten sich
hingegen sehr stark nach den Leitzinsen der EZB. Dennoch lohnt sich ein Vergleich. Denn: „Letztlich
liegt die Entscheidung über die Zinsgestaltung, wie auch die der sonstigen Konditionen, bei jedem
einzelnen Kreditinstitut“, erklärt Beller. Dies ist Teil der individuellen Geschäftspolitik.
Ohne Risiko kein Reichtum
Generell sollten Sparer ihr Vermögen auf Produkte mit verschiedenen Laufzeiten aufteilen, rät Oelmann.
Gerade in Niedrigzins-Zeiten sollten sie ihr Geld nicht zu lange binden – ansonsten können sie nicht
schnell reagieren, wenn die Zinsen wieder steigen sollten.
Wer beim Sparen zu 100 Prozent auf Sicherheit setzt, wird derzeit bestimmt nicht reich. Im Gegenteil:
Sparer müssen mit einem realen Verlust rechnen. Da der Zinssatz von 0,05 Prozent unter der Inflationsrate
liegt, verlieren Sparer faktisch damit heute schon Geld. Wollen Anleger ihre Rendite steigern, müssen sie
risikofreudiger anlegen – beispielsweise in Aktien. Um die Gefahr von möglichen Verlusten zu
minimieren, sollten Anleger das Risiko breit streuen. „Eine gute Wahl sind hier Fonds, die auf
ertragsstarke Unternehmen aus verschiedenen Branchen und Regionen setzen“, erklärt Beller. Doch
Aktienfonds sind immer eine langfristige Anlage. „Über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten kann
dann auch mal eine Phase mit niedrigen Zinsen verkraftet werden“, sagt Herbst.
Indexfonds bilden Börsenindizes nach – beispielsweise den DAX-Index oder den europäischen Leitindex
EuroStoxx. Sogenannte Exchange-traded funds (ETFs) sind besonders kostengünstig. Denn im Gegensatz
zu aktiv gemanagten Fonds fallen hier meist keine Ausgabeaufschläge und weniger Verwaltungskosten
an. „Daher bleibt bei gleicher Bruttorendite für den Sparer mehr übrig“, erklärt Oelmann.
Auch Umschuldung kann lohnen
Sollten die Zinsen steigen, müssen künftige Kreditnehmer mit höheren Kosten rechnen. „Es ist ratsam,
sich den aktuell noch sehr günstigen Zins mit einem Festzinskredit zu sichern“, erklärt Beller. Unter
Umständen kann sich laut Beller auch eine Umschuldung lohnen: Wenn der aktuelle Zinssatz bei
vergleichbarer Laufzeit unter dem vereinbarten Kreditzins liegt und der Kreditnehmer den Vertrag ohne
Zusatzkosten kündigen kann. Allerdings ist eine vorzeitige Kündigung bei Immobilienkrediten meist nur
unter Voraussetzungen möglich – meist gegen Zahlung einer Vorfälligkeitsentschädigung.
Läuft ein Immobiliendarlehen aus, sollten Verbraucher bei der Suche nach einer Anschlussfinanzierung
mögliche Zinssteigerungen einplanen. „Braucht ein Verbraucher in den kommenden zwei Jahren eine
Anschlussfinanzierung, sollte er schon jetzt nach günstigen Angeboten Ausschau halten“, empfiehlt
Oelmann. Denn: Wer sich die derzeit niedrigen Zinsen lange sichert, kann seine Schulden schneller tilgen.
„Möglich ist dies über ein Forward-Darlehen“, erläutert Herbst. Allerdings müssen Verbraucher dann mit
einem Preisaufschlag rechnen – die Höhe fällt je nach Zinserwartung der Banken und Sparkassen
unterschiedlich aus. Es lohnt sich also, Angebote zu vergleichen. „Ob sich am Ende die Kosten für das
Forward-Darlehen gegen die Kosten eines eventuell steigenden Zinssatzes gerechnet haben, können
Verbraucher erst im Nachhinein beurteilen“, sagt Oelmann.
Von zeitlich gestaffelten Krediten rät Oelmann derzeit ab. „Reine Abschnittsfinanzierungen machen Sinn,
wenn ein sinkendes Zinsniveau erwartet wird“, erläutert sie. Angesichts des aktuell niedrigen Zinsniveaus
und in Erwartung steigender Zinsen sei es sinnvoller, sich die günstigen Zinsen so lange wie möglich zu
sichern.
Quelle: n-tv.de

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